Home
Unser Laden
Angelplätze
Raubfische
Fliegenfischen
Karpfenangeln
Angellinks
Diashow
Berichte
Schweizer Lachstour
Trolling Rügen 2007
Videos
Lachstrolling
Gästebuch
Aktuelles & Termine
Kontakt
Impressum
Test

 

Trollingtour Rügen 2007 Geschrieben

von Karsten Pfeiffer   

 

Samstag Morgen in Berlin 0200 MESZ: unerbittlich klingelt der Wecker.

 

Trotzdem werden wir schlagartig hellwach, soll es heute doch mit Teammitglied André und seinem Boot auf eine Trollingtour vor Rügen gehen! Ohne weitere Chartergäste, nur wir drei leidenschaftliche Norwegenfahrer. Nach den sensationellen Lachsfängen in den letzten Wochen sind wir heiß auf den König der Fische, zumal ein Chartergast von André letzte Woche schon einen 22 Pfünder erfolgreich über die Reling hieven konnte!  

Schnelle Katzenwäsche, unsere Sachen in den Wagen geschmissen und ab nach Falkensee, André samt der Boots- und Angelausrüstung an seinem Shop einsammeln. Die Fahrt über die A24 und A20 vergeht bei Gesprächen über die Fänge der letzten Wochen und unsere Chancen auf die begehrten Salmoniden wie im Fluge.  

In Stralsund steuern wir die Total-Tankstelle unterhalb der im Bau befindlichen neuen Rügen-Brücke an – Tanja und ich kaufen unsere Tagesangelkarten für jeweils fünf Euro. Weiter geht es gegen 6:00 Uhr über den Rügendamm, vorbei an dutzenden von Heringsanglern, die schon so zeitig ihre Paternoster auswerfen. Nach knapp vier Stunden Fahrt und 400 km fahren wir gegen 7:30 Uhr am Hafen von Wiek am Wieker Bodden vor. Blauer Himmel über uns, ein Wind um die vier Bft. aus Nordwest weht uns ins Gesicht - kein Problem, denn der Wetterbericht hat bereits ein Abflauen des Windes vorhergesagt! Am Schwimmsteg liegt André´s Boot friedlich vertäut, der Hafen ist so früh in der Saison morgens noch menschenleer.

                     07_arvor_andre

Wir bringen die Kisten, Taschen, Ruten und Downrigger an Bord, betanken den 100 PS VW TDI Motor der Arvor 215 AS und werfen uns in unsere Überlebensoveralls.  Heute Morgen hat es nur kühle 1 Grad plus, aber mit den Anzügen sind wir bestens gegen den eisigen Fahrtwind geschützt, als wir um 9:00 Uhr ablegen und mit 19 Knoten über das glatte Wasser des Boddens gleiten. Um die Landzunge herum geht es zwischen Rügen und Hiddensee hinaus auf die offene See, die uns mit ordentlicher Restdünung vom Vortag begrüßt. Wir drosseln die Geschwindigkeit und nehmen Kurs Richtung Kap Arkona.  

Die acht Kombos – allesamt Zebco Rhino Downrigger Ruten mit Shimano Seacharter Multirollen - hatten wir bereits im Hafen montiert, sodass wir gegen 10:30 Uhr beim Erreichen der 30 Meter Tiefenlinie gleich mit dem Beködern und Ausbringen des Gerätes starten können.   Wir entscheiden uns, zunächst nur zwei Ruten an den beiden elektrischen Scotty Downriggern und vier Ruten oberflächennah an den Planerboards zu fischen. André lässt uns freie Auswahl aus seiner überkompletten Köderbox, denn wir sind heute von ihm eingeladen - er selbst will lediglich als Skipper, Guide und Landungsgehilfe fungieren!   

                       07_andre 

Die Köderwahl ist schnell entschieden, denn unsere Lieblingsschleppköder sind nun mal Apex, Grizzly Spoon und Grizzly Inline Wobbler, jeweils in Heringsfarben, weiß/schwarz und kupfer. Zunächst werden die Ruten am Downrigger klariert, an Backbord lassen wir das 6 kg Schleppblei samt Apex auf 80 ft, an Steuerbord einen Grizzly Wobbler samt vorgeschaltetem Flasher auf 50 ft hinunter. Soweit kein Problem, mit den Scotties haben wir schon öfter zu tun gehabt. Schwieriger wird es für uns mit dem Montieren der Planerboards, die kennen wir bis dato nicht. Aber André zeigt uns fachmännisch, wie die kleinen Scherbretter auf der Hauptschnur zu montieren sind – das geht ja wirklich easy! So schleppen wir nach kurzer Zeit bei 2,5 bis 3 Knoten und mit Blick auf die Kreidefelsen insgesamt sechs Köder hinter der Arvor her, welche uns dank des eingeschalteten Autopiloten eigenständig chauffiert.

Wir Drei machen es uns in der Sonne gemütlich und beobachten die ausgebrachten Ruten. Und es dauert auch nicht lange, da meldet sich die erste Multi einer Planerboard Rute mit zaghaftem klick-klick-klick. „Da ist ein Fisch dran, könnte eine Meerforelle oder ein Hornhecht sein – nehmt mal Kontakt auf!“ ruft André. Ich nehme die Rute aus dem Halter auf dem Kajütdach und versuche zu erfühlen, was da am Haken hängen soll, spüre allerdings nur den hohen Widerstand des querstehenden Planers. Einige Minuten später haben wir dann Gewissheit: ein schöner Hornhecht zappelt im Heckwasser der Arvor! Vorsichtig löse ich den Ostsee-Schwertträger vom Einzelhaken des Apex und setze ihn vorsichtig zurück: Tschüss, Horni, ihr steht heute nicht auf unserer Fangliste!’  

                        07_ken_horni 

Wir schauen wiederholt auf den Raymarine Kartenplotter, der uns etliche große Sicheln vom Mittelwasser bis zum Grund sowie auch vereinzelte Wolken der Heringsschwärme anzeigt – die Salmoniden sind auf alle Fälle unter unserem Boot, keine Frage!

                        07_echolot

Die nächsten zwei Stunden begnügen wir uns mit zwei weiteren Hornhechtdrills an den Planer-Ruten, aber immerhin wird Tanjas und meine Saisoneröffnung 2007 nun kein Schneidertag mehr!        

                                    Tanni_Hornhecht 

Mittagszeit, der Wind flaut wie vorhergesagt auf runde 2 Bft ab und dreht auf West. Die Sonne scheint auf uns herab – Zeit, sich aus den Overalls zu pellen! An den Downriggerruten passiert bislang rein nichts. Wir drehen ab nach Nordwesten in tieferes Wasser und entscheiden uns, pro Downrigger nun je zwei Ruten zu fischen - wobei wir einen Köder auf 110 ft führen wollen, da große Sicheln über Grund auf 140 ft angezeigt werden. Die drei anderen Köder an den beiden Downriggern staffeln wir auf 90, 80 und 50 ft. Zwei Planerboard Ruten bleiben an den Seiten ausgebracht. 

Gegen 13:00 Uhr, André und ich starren gebannt auf die großen Echolot-Sicheln, löst die auf 110 ft geführte Rute plötzlich aus! Tanja, die direkt neben dem Scotty steht, greift sich die Rute und beginnt zu drillen. „Da unten passiert nichts, kann nur ein Dorsch sein…“ mutmaßt sie. Fünf Minuten später machen wir Drei große Augen, als es im Heckwasser silbern schimmert – SOLCHE Dorsche lieben wir! André steht mit dem großen Bootskescher auf der Badeplattform und keschert gekonnt die schöne Meerforelle, welche sich, kaum auf Deck liegend, den Grizzly Spoon kupfer  aus dem Maul schüttelt – puuuuh, das war knapp! „Petri Heil!“, Riesenfreude über 67 cm und 3,40 kg Ostseesilber!    

                   Tanja_Mefo

Erfolg gibt Recht, also nichts wie wieder herunter und in Grundnähe geschleppt. Wir drehen eine großzügige Kurve und fahren wieder ostwärts Richtung Kap Arkona. Doch wie schon vorhin passiert hier bis auf zwei weitere Hornis wieder nichts in den nächsten Stunden.    

                   Tanni_Hornhecht1 

Früher Abend, die Sonne steht nun tiefer. Es kühlt sich ab, Zeit für die Jacken. Wir schauen uns an: der Hafen ist noch anderthalb Stunden entfernt, und wir müssen ja auch noch die vier Stunden heimfahren… André sagt: „Ok, noch eine Viertelstunde, dann fahren wir heim!“ Wir nicken. Soll Tanja´s Meerforelle wirklich das einzige Silber des Tages bleiben? Keine fünf Minuten später klickt die Multi der Backbord Planer-Rute. Kein Aufkreischen, nur ab und an ein Klick. Wir schauen uns an, ist das wieder ein Hornhecht? So  klangen jedenfalls auch die Bisse der bisherigen vier Schnäbler. Tanja nimmt die Rute in die Hände, prüft – und übergibt mir die Rute mit den Worten: „Ist was Anderes als Horni!“ Überrascht nehme ich Kontakt auf. Tatsächlich: da ist mehr Widerstand unterhalb des Planers! 

Die Rute biegt sich durch Fisch und Planer ordentlich durch, ich drille behutsam beides heran. André hängt den am Heck angekommenen Planer von der Hauptschnur ab, und nun spüre ich den Fisch – ist ein Guter, holla!!! Kaum durchbricht die Meerforelle die Oberfläche, zieht sie mir denn dann auch gleich ein paar Meter Schnur von der Shimano und rast in die Tiefe. Aber dank der Schiebebremse lockere ich die Bremseinstellung schnell, die Flucht wird pariert. Beim Keschern dann Aufregung: kurz vor dem Kescherbügel dreht die Forelle blitzschnell ab und saust ein zweites Mal los - das wäre fast ins Auge gegangen! Tanja filmt die Flucht des Fisches, tolle action! Erneut führe ich den Fisch zwei Minuten später behutsam zu André´s Kescher, und nun klappt alles einwandfrei. Unter großen Jubelschreien kommt die 71er Forelle ins Boot, die Waage wird gleich bei 3,8 kg stehen bleiben.    

                       Ken_Mefo 

„Skipper, da hattest Du aber wirklich den richtigen Riecher mit Deinen 15 Minuten Restangeln – SPITZE!“ Wir Drei strahlen über beide Ohren, das ist doch ein wirklich silbernes I-Tüpfelchen zu diesem ohnehin schon wunderschönen Tag! André schießt ein Premierefoto von uns beiden: noch nie ist es Tanja und mir gelungen, gemeinsam an einem Tag eine Forelle zu fangen.  

                       Mefo_Double

 

Nun aber hurtigst ab zum Hafen. Wir holen die Ruten und Downrigger ein und legen den Hebel auf den Tisch. Mit 20 Knoten rauschen wir in den Sonnenuntergang, an Steuerbord blinkt uns der Leuchtturm von Hiddensee an.  

                        07_hiddensee 

Ich strahle die gesamte Rückfahrt über vor mich hin und lasse den Tag noch einmal Revue passieren. Die Lachse sind auf alle Fälle vor Ort gewesen, das zeigte uns das Echolot eindeutig an. Warum sie nicht gebissen haben, werden wir nie erfahren. Aber mal im Ernst: zwei so feine Meerforellen sind doch auch ein Traum, oder? Zwei andere Boote, mit denen André telefoniert hatte, hatten sogar nur Hornhechte im Boot, aber keinen einzigen Silberfisch.  

Im Dunkel der Nacht starten wir den Heimritt, der uns noch einen Hirsch auf Rügen sowie ein Rudel Rehe direkt am Dreieck Havelland beschert, gottlob sehen wir die Nachtschwärmer rechtzeitig. Wir sind rechtschaffend platt vom langen Tag, als wir um 1:15 Uhr des nächsten Tages zuhause aufschlagen. Aber noch ist nichts mit Schlaf, zuerst müssen die beiden Forellen ja noch versorgt werden. Nun warten vier herrlich rosagefärbte Filets auf eine Adresse in Berlin, wo sie kalt geräuchert werden können. Wenn jemand von euch eine Adresse für das Kalträuchern parat hat, wären wir dankbar über ein PN! 

Nochmals tusen takk an unseren Skipper, Guide und Freund André, der uns einen Traumtag geschenkt hat – André, mit DIR sind wir jederzeit gerne wieder auf jedem Boot der Welt unterwegs! 

Viele Grüße Karsten & Tanja  

                                 07_karsten_arvor

Andres Angelshop  | andres_angelshop@t-online.de